Von Bio-Rübe zu BIO ZUCKER

Neben der Nachfrage nach konventionellem Zucker ist ein Interesse an Bio- Zucker in der Gesellschaft vorhanden. Diesen Bedarf hat Cosun Beet Company Anklam erkannt und arbeitet seit 2019 daran, diese Entwicklung aufzugreifen und das Potenzial der Zuckerrübe für eine neue Produktlinie zu nutzen: BIO ZUCKER.

Um BIO ZUCKER produzieren zu können, muss darauf geachtet werden, dass die gesamte Wertschöpfungskette ökologisch ausgerichtet ist – angefangen beim biologischen Anbau. Im Gegensatz zum konventionellen Rübenanbau, bei dem die Landwirte die Rübenentwicklung bestmöglich unterstützen können, indem sie Pestizide und Fungizide spritzen und  mineralischen Dünger aufbringen, sind in der Bio-Sparte ausschließlich ungebeiztes Saatgut, organische Dünger, Mikronährstoffe, Pflanzenaktivatoren und die mechanische Bodenbearbeitung zugelassen.

Deswegen verbringen die Bio-Zuckerrübenanbauer viel Zeit damit, Beikraut mechanisch zu kontrollieren. Traditionell wird im ersten Schritt mit einer Rübenhackmaschine das Unkraut zwischen den Rübenreihen entfernt, um anschließend händisch mit einer Hacke das Kraut innerhalb der Pflanzreihe zu beseitigen. Dabei fallen derzeit im Durchschnitt knapp 70 h/ha Handarbeit an.

Inzwischen können mit Hilfe des technischen Fortschritts in Richtung künstliche Intelligenz und Robotertechnik bereits 80-90 % der Handarbeit eingespart werden. Aktuell gibt es im Bereich der Robotertechnik zwei verschiedene Entwicklungen: die GPS-basierte Steuerung (Farmdroid) und die kamerabasierte Steuerung (Farming Revolution).

Farmdroid

Der Farmdroid ist ein solarbetriebener Roboter, der erst den Rand der Anbaufläche vermisst, um anschließend die Rübenpillen eigenständig in je 6 Reihen zu legen. Dadurch kennt er den exakten Standort jeder Rübe und hackt später selbstständig zwischen den Reihen sowie in der Reihe (zwischen den Rüben). Da der Roboter ein paar Zentimeter Abstand zu den Rüben lässt, kann nicht vollständig auf die Handhacke verzichtet werden. Trotzdem können über 80 % der Handarbeit eingespart werden. Es gibt aber auch Verbesserungspotenzial, z.B. kann der Roboter an sonnenarmen Tagen noch nicht die erwünschte Leistung zur Aussaat erbringen.

Farming Revolution

Der Farming Revolution ist ein Roboter, der das Beikraut zwischen und in der Reihe hackt. Er arbeitet kamerabasiert und mithilfe künstlicher Intelligenz, sodass er Rüben von Beikraut unterscheiden kann. Aktuell wird er stetig weiterentwickelt und ist noch nicht käuflich erwerbbar. Im Rahmen eines vom Bundesland Mecklenburg-Vorpommern geförderten Projekts wird er auf Gut Ahrensberg, bei einem unserer Bio-Landwirte, eingesetzt und getestet.

Mithilfe der sich stetig entwickelnden Robotertechnik und der zunehmenden Erfahrung wird der Bio-Rübenanbau immer wirtschaftlicher für die Landwirte.  Zum einen erzielen sie einen dreimal höheren Abnahmepreis pro Tonne als die konventionell angebauten Zuckerrüben und zum anderen nimmt der Ertrag zu. In 2021 stach insbesondere ein Anbauer mit einem Ertrag von 82 t/ha heraus.

Neben der Robotertechnik gibt es auch andere Technik, z.B. schlepperangehängte Maschinenhacken, und andere Verfahren, die in der Praxis getestet werden. Die Landtechnikbranche arbeitet mit Hochdruck an neuen Technologien und der Erforschung neuer Innovationen. Auch in der Forschung ist die CBC Anklam als Verarbeiter ein wichtiger Projektpartner in der Region.

Parallel dazu ist im konventionellen Anbau eine Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit zu erkennen. Bei einer Fachtagung am 25. Mai 2022 führten eine Vielzahl von Landtechnikherstellern ihre Hackmaschinen vor. Hintergrund ist die politische Ausrichtung, welche alle Landwirte dazu anhält, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Mithilfe der Maschinen zur mechanischen Beikrautreduktion ergibt sich insbesondere beim Einsatz von Herbiziden ein großes Einsparpotenzial.

Die biologisch angebauten Rüben werden bis zur ersten Biorüben-Kampagne in Anklam, die für 2023 geplant ist, per Zug in die Schweiz transportiert und dort in Lohn verarbeitet. Denn noch sind Anbaufläche und Erntemenge zu klein, um die konventionelle Rübenverarbeitung bei CBC Anklam zugunsten der Bio-Kampagne zu kürzen. Dadurch konnten wir bereits mit der Vermarktung beginnen. Im April wurden die ersten Tonnen unseres in der Schweiz produzierten BIO ZUCKERs verkauft. Daneben lassen wir den in der Schweiz lagernden BIO ZUCKER in Cosun Beet Company-Abpackungen abfüllen und nach Anklam transportieren. So können wir intensiv mit der Kundenansprache und Vermarktung beginnen. Hier erfährt die CBC Anklam Unterstützung durch das niederländische Verkaufsteam.

In 2023 soll die erste Kampagne mit einer einwöchigen Bio-Rübenverarbeitung in Anklam durchgeführt werden. Aktuell arbeiten wir daran, weitere Anbauer zu gewinnen und die Anbaufläche weiter auszudehnen. Und es gelingt uns, immer mehr Landwirte vom Bio-Rübenanbau zu überzeugen. Waren es 2021 noch 10 Betriebe, die Bio-Rüben auf 236 ha angebaut haben, so sind es dieses Jahr bereits über 500 ha Anbaufläche. Für 2023 ist eine Anbaufläche von 900 bis 1.000 ha geplant, die der CBC Anklam eine Ausbeute von 6.600 t BIO ZUCKER einbringen soll.

Parallel dazu schließen wir gerade unsere Bio-Zertifizierung ab, ohne die wir keinen BIO ZUCKER produzieren dürften, und klären damit zusammenhängend die Produktionsstrategie. Es gibt verschiedene Punkte, die für bzw. gegen die favorisierte Variante der Unterbrechung der konventionellen Rübenkampagne Ende Oktober sprechen. Daneben arbeiten wir an der Mitgliedschaft im Anbauerverband Bioland, von der wir uns enorme Vermarktungsvorteile versprechen.

Voraussetzung ist die strikte Getrennthaltung der Produkte bis zur Auslieferung an die Kunden, die auch bei Biozucker ganzjährig erfolgt. Bereits vorbereitet ist dafür der Bau eines neuen Zucker-Silos mit einem Fassungsvermögen von 20.000 t, in dem der BIO ZUCKER gelagert werden soll. Zudem wird die Investition in eine neue Abpackanlage notwendig sein. Denn in Anklam beträgt die kleinste Absackmenge 50 kg – die Bedürfnisse der Verbraucher bewegen sich jedoch in Richtung 10-25 kg. Sobald die Verarbeitung und die Absackung direkt in Anklam erfolgen, wird auch die Abpackung den Nachhaltigkeitsgedanken aufgreifen – indem wir den Biozucker in Säcken aus Rübenpapier verpacken.

Wir glauben an unsere nachhaltige Ausrichtung und sagen JA zu BIO. Weil BIO kein kurzweiliger Trend ist, sondern die steigenden gesellschaftlichen Anforderungen widerspiegelt.

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