Zuckerrüben als Alternative für fossilen Kohlenstoff
Oftmals wirkt es, als würde der Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit auf erneuerbaren Energien und Dekarbonisierung liegen. Das ist für die gänzlich auf den Gebrauch von Kohlenstoff basierende Chemie- und Werkstoffbranche jedoch keine Option. Hier bedarf es einer alternativen Strategie. Daher veröffentlicht die Initiative „Renewable Carbon Initiative (RCI)“, zu deren Mitgliedern auch die Cosun Beet Company zählt, ein umfassendes Papier mit Empfehlungen dafür, wie das Konzept für erneuerbaren Kohlenstoff - zum Beispiel aus Zuckerrüben - als Leitprinzip für den Übergang zu nachhaltigen Kohlenstoffkreisläufen dienen kann.
Klimaproblem
Mit dem Papier spricht die RCI genau den Kern des Klimaproblems an: 72 % des von Menschen verursachten Klimawandels rühren direkt aus der Förderung von fossilem Kohlenstoff aus dem Boden her. Um den Klimawandel jedoch zügig entgegenzuwirken und unser globales Ziel: weniger Treibhausgasemissionen, zu erreichen, muss der weitere Zufluss von fossilem Kohlenstoff aus dem Boden in unser System nicht nur möglichst schnell, sondern auch in großem Umfang gesenkt werden. Für die Energie- und Transportbranche bedeutet dies einen kräftigen und schnellen Ausbau erneuerbarer Energien, von Wasserstoff sowie der Elektromobilität: die sogenannte Dekarbonisierung.
Defossilisierung
Von dieser Politik wurden andere Branchen, welche fossile Kohlenstoffe extrahieren und verwenden, bisher leider ignoriert. In der Chemie- und Werkstoffbranche besteht ein hoher Bedarf an Kohlenstoff. Noch dazu ist ihre Arbeit im Wesentlichen auch nur mit kohlenstoffbasierten Rohstoffen möglich, da die meisten ihrer Produkte ohne diesen Rohstoff überhaupt nicht denkbar sind. Im Gegensatz zum Bereich Energie ist diese Branche nicht „dekarbonisierbar“, da Moleküle immer Kohlenstoff brauchen. Das Äquivalent zur Dekarbonisierung durch erneuerbare Energien ist für die Chemie- und Sekundärstoffbranche der Übergang dahin, erneuerbaren Kohlenstoff zu verwenden. Beide Strategien, welche sich unter dem Begriff „Defossilisierung“ zusammenfassen lassen, würden vermeiden, dass weiterer fossiler Kohlenstoff aus dem Boden in den Kreislauf gelangt.
Zuckerrüben als Quelle für erneuerbaren Kohlenstoff
Bei der Entkopplung der Chemie von fossilem Kohlenstoff besteht die wichtigste Frage darin, wie nicht-fossilen Kohlenstoffquellen zukünftig verwendet werden können. Die rasanten Entwicklungen in Biowissenschaften und Chemie haben neue, erneuerbare und zunehmend erschwingliche Kohlenstoffquellen erschlossen, die uns alternative Lösungen für eine nachhaltigere Chemie- und Werkstoffbranche bieten. Diese alternativen Quellen sind: Biomasse (wie z. B. Zuckerrüben), Verwertung von CO2 sowie Recycling. Diese werden unter dem Begriff „erneuerbarer Kohlenstoff“ zusammengefasst.
Elf Empfehlungen an die Politik
Die systematische Umstellung auf erneuerbaren Kohlenstoff erfordert nicht nur erhebliche Anstrengungen der Branche, sondern auch eine Unterstützung anhand von politischen Maßnahmen, technologischen Entwicklungen und umfangreichen Investitionen. Zu diesem Zweck hat die RCI elf konkrete Empfehlungen an die Politik entwickelt, welche sie in ihrem Richtlinienpapier „Renewable Carbon as a Guiding Principle for Sustainable Carbon Cycles“(„Erneuerbar Kohlenstoff als Leitprinzip für nachhaltige Kohlenstoffkreisläufe“) veröffentlicht.
