02 February 2026

Interview mit der Klepper Agrar GmbH

In Kemnitz, wo Landwirtschaft seit Generationen das Bild der Region prägt, führt die Klepper Agrar GmbH gemeinsam mit dem Landgut Stresow eine erfolgreiche Betriebsgemeinschaft. Seit 2017 lenkt Herr Bosse Klepper die Geschicke des Familienbetriebs, den er von seinen Eltern übernommen hat. Schon damals spielte der Anbau von Zuckerrüben eine zentrale Rolle – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Gespräch mit Herrn Klepper erfahren wir, wie er den Betrieb weiterentwickelt, welche Herausforderungen und Chancen der Zuckerrübenanbau in der Region bietet und warum die Rübe aktuell nicht aus der Fruchtfolge wegzudenken ist.

  1. Herr Klepper, wie schön, dass Sie sich Zeit nehmen. Bitte verraten Sie uns: Wie sieht eine reguläre Fruchtfolge bei Ihnen aus?

Wir beginnen mit Weizen, darauf folgt Raps, anschließend bauen wir erneut Weizen auf der Fläche an. Die Fruchtfolge endet dann mit der Zuckerrübe. Insgesamt macht die Zuckerrübe etwa 15 % unseres gesamten Anbaus aus.

 

  1. Wie viel Arbeit steckt im Anbau von Zuckerrüben bzw. welche Arbeitsschritte sind zu erledigen?

Der Anbau von Zuckerrüben ist anspruchsvoll: Angefangen mit der flachen Bodenbearbeitung, dem Einsatz eines Grubbers, gefolgt von der Saatbettbereitung in Kombination mit der Aussaat der Zwischenfrucht Phacelia. Diese dient zum einen der Unterdrückung von Raps und Unkräutern, zum anderen der Kapillarität des Bodens. Anschließend werden die Rüben nach einer flachen Bodenbearbeitung gelegt. Beim Thema Pflanzenschutz ist der Arbeitsaufwand jahresabhängig zu betrachten. Der Aufwand bezogen auf die Düngung ist bei uns begrenzt, da wir einen intakten Boden haben. Bei der Ernte der Rüben haben wir den Vorteil, dass wir einen eigenen Rübenroder haben und somit unabhängig vom Zeitplan eines Lohnunternehmens roden können. Außerdem ist der eigene Roder zuträglich für die Erdhygiene, sprich es kommen keine fremden Gräser auf unseren Boden und wir schonen den Boden. Denn bei unpassendem Wetter können wir entscheiden, den Roder stehen zu lassen.

 

  1. Warum fällt Ihre Wahl auf die Zuckerrübe? Was sind Vorteile des Zuckerrübenanbaus?

Es gibt verschiedene Gründe, die Einfluss auf unsere Entscheidung haben, welche Kulturen wir anbauen. Mit das wichtigste Kriterium ist die Lukrativität. Die Zuckerrübe ist eine wirtschaftliche Frucht, hier sind insbesondere die letzten Jahre hervorzuheben. Daneben wird durch den Anbau von Rüben die Fruchtfolge gestreckt, dadurch wiederum ist die Feldhygiene gegeben. Damit ist gemeint, dass beim Anbau von Zuckerrüben andere Gräsermittel eingesetzt werden dürfen als bspw. bei Getreide. Hinzu kommt der Vorteil, dass Rüben im Frühjahr gelegt und im Herbst gerodet werden, während die Getreideernte im Sommer stattfindet. Wir können also Arbeitsspitzen strecken und unsere Maschinen besser auslasten.

 

  1. So, nun kommen wir zu den Herausforderungen im Anbau. Sind diese eher Klimabedingt oder aufgrund von Krankheitsdruck? Welche Rolle spielen die zugelassenen Pflanzenschutzmittel?

In der Region haben wir mit zunehmendem Cercospora-Befall zu kämpfen, also mit Pilzerkrankungen. Das bedeutet für uns, dass wir erhöhte Fungizidmaßnahmen durchführen müssen. Daneben macht uns die Schilfglasflügelzikade große Sorgen: ein Insekt, welches die Rübe befällt und Krankheitskomplexe "Syndrome-Basses-Richesses" (Syndrom der niedrigen Zuckergehalte, SBR) und Stolbur auslöst. Diese Krankheiten führen zu geringen Zuckererträgen und gummiartigen Rüben, die sich schlecht verarbeiten lassen. Noch ist es hier in der Region kein Thema. Wir hoffen darauf, dass die Züchterhäuser neue, resistente Sorten zur Verfügung stellt, bevor die Zikade bei uns relevant wird. Es gibt zwar in den südlichen Regionen auch jetzt schon die Notfallzulassungen für wirkende Insektizide, aber diese wiederum begünstigen die Rübenmotte. Hinzu kommt, dass zum jetzigen Zeitpunkt nur noch weniger starke Herbizide zugelassen sind. Wir müssen also früher mit dem ersten Durchgang starten und auch den Abstand zwischen den Überfahrten einkürzen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen, wie in den Vorjahren. Das bedeutet folglich, dass wir entweder einen Durchgang mehr machen müssen als in den Vorjahren oder wir entscheiden uns für die teureren, blattaktiven Produkte.

 

  1. Mit blattaktiven Produkten ist u.a. das Conviso-System gemeint – also eine bestimmte Rübensorte, bei der eine Behandlung mit speziellen Pflanzenschutzmitteln (Conviso-Herbizid) vorgenommen werden kann, ohne dass sie selbst in Mitleidenschaft gezogen wird. Haben Sie denn eigene Erfahrung mit dem Conviso-Rüben-System im Anbau?

Ja, wir haben im Jahr 2025 erstmals Conviso-Rüben angebaut. Der Vorteil dieses neuen Anbau-Systems besteht darin, dass Flächen, die vorher nicht im Anbau waren, nun wieder in den Anbau mit aufgenommen werden konnten. Anstatt 4 Pflanzenschutzdurchgänge zu verrichten, benötigten wir nur 2 Stück. Die Conviso-Rübe erlaubt einen größeren zeitlichen Spielraum beim Pflanzenschutzmitteleinsatz im Gegensatz zu anderen Behandlungen, da der Wirkstoff größtenteils über die Blätter der Unkräuter aufgenommen wird. Es gibt aber auch Nachteile: das Saatgut ist teurer, der Zuckerertrag geringer als bei konventionellen Sorten. Trotzdem haben wir auch für 2026 für einen Teil unserer Flächen Conviso-Rüben bestellt.

 

  1. Wie wichtig ist es grundsätzlich für Sie, neue Sorten für den Anbau zu Nutzen?

Neue Sorten sind auf jeden Fall wichtig für uns. Denn für gewöhnlich bauen wir eine Sorte immer 2-3 Jahre an. Danach gibt es neue Sorten, deren Zuckerertrag oder deren Blattgesundheit gestiegen sind. Beides ist essenziell für einen wirtschaftlich ausgerichteten Betrieb.

 

  1. Vielen Dank für die ausführlichen und aufschlussreichen Antworten. Es ist spannend zu sehen, was mit „unserem Rohstoff“ passiert, bevor er in die Fabrik gelangt und mit welchen Herausforderungen Sie konfrontiert sind. Eine letzte Frage habe ich noch: Wie lautet Ihr Resümee für dieses Anbaujahr?

Das diesjährige Rübenjahr bringt wieder einen guten Ertrag mit sich. Die Anbausicherheit, also die Stabilität der Rübenerträge, ist in den letzten Jahren gestiegen. Und das ist zwingend erforderlich, um eine Wirtschaftlichkeit zu generieren. Insbesondere dann, wenn der Rübenpreis sinkt - so wie aktuell.

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